
Boehringer kooperiert mit Sitryx im Autoimmun-Bereich
Boehringer Ingelheim baut seine Pipeline im Bereich Autoimmun- und Entzündungserkrankungen weiter aus und setzt dabei verstärkt auf Partnerschaften mit Biotech-Unternehmen. Jüngstes Beispiel ist eine Vereinbarung mit dem britischen Immunologie-Spezialisten Sitryx, die diesem bis zu 500 Mio. US-Dollar an Vorab- und Meilensteinen einbringen könnte.
Eine aktuelle Vereinbarung zwischen der britischen Sytrix und Boehringer Ingelheim sieht vor, dass Boehringer eine exklusive weltweite Lizenz für ein präklinisches Small-Molecule-Programm erhält. Für Sitryx könnten sich daraus Vorab- und Meilensteinzahlungen von insgesamt mehr als 500 Mio. US-Dollar ergeben. Hinzu kommen mögliche Umsatzbeteiligungen im Erfolgsfall. Details zur Aufteilung der Zahlungen nannten die Unternehmen nicht.
Neuer oraler Ansatz in der Immunmodulation
Im Zentrum der Kooperation steht ein niedermolekularer Inhibitor, der krankheitsrelevante Immunzellen über immunmetabolische Mechanismen modulieren soll. Boehringer erhofft sich davon einen neuartigen, oral verfügbaren und präziseren Therapieansatz für eine Reihe von Autoimmun- und entzündlichen Erkrankungen.
Sitryx wurde 2018 in Oxford gegründet und erforscht gezielt Stoffwechselwege in Immunzellen als therapeutische Angriffspunkte. Zu den Investoren zählten unter anderem GSK und SV Health Investors. 2020 sicherte sich Eli Lilly für bis zu vier Programme im Autoimmunbereich die Rechte, gab jedoch 2025 den am weitesten entwickelten Kandidaten – das Itaconat-Mimetikum SYX-1042 – aus strategischen Gründen zurück.
Neben SYX-1042 in Phase I umfasst die Pipeline von Sitryx unter anderem den PKM2-Modulator SYX-5219 gegen atopische Dermatitis sowie präklinische Programme gegen allergisches Asthma (GLS1-Inhibitor) und Colitis ulcerosa (SIK2-Inhibitor).
Strategischer Schwerpunkt Immunologie
Für Boehringer passt die Transaktion in eine Phase intensiver Geschäftsentwicklung. Erst kürzlich hatte das Unternehmen milliardenschwere Biobucks-Vereinbarungen in angrenzenden Indikationen geschlossen, darunter ein bispezifischer Antikörper gegen entzündliche Darmerkrankungen sowie eine Kooperation im Bereich Nierenerkrankungen.
In der eigenen klinischen Pipeline verfügt Boehringer bereits über mehrere Programme in der Immunologie. Dazu zählt unter anderem der sGC-Aktivator Avenciguat zur Behandlung der systemischen Sklerose. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen einen TREM-1-Antagonisten für Colitis ulcerosa. In Atemwegserkrankungen und Fibrose zählt Boehringer traditionell ebenfalls zu den etablierten Anbietern.
Am Markt konkurriert der Konzern mit Branchengrößen wie AbbVie, Johnson & Johnson oder Novartis, die mit Biologika und zielgerichteten Immuntherapien Milliardenumsätze erzielen. Während viele dieser Wettbewerber auf Antikörper oder Injektionspräparate setzen, könnte ein oral verfügbarer, kleinmolekularer Ansatz ein Differenzierungsmerkmal darstellen – insbesondere in chronischen Indikationen, in denen Patientenfreundlichkeit und Langzeittherapie eine zentrale Rolle spielen.
Carine Boustany, Forschungsleiterin für Immunologie und Atemwegserkrankungen bei Boehringer, betonte, dass Autoimmun- und Entzündungserkrankungen weiterhin „Bereiche mit dringendem Innovationsbedarf“ seien. Das Sitryx-Programm bringe einen vielversprechenden neuen Mechanismus ein, der zur Strategie passe, First-in-Class-Ansätze voranzutreiben.
Mit der Vereinbarung unterstreicht Boehringer seinen Anspruch, sich im wettbewerbsintensiven Immunologiemarkt nicht nur über inkrementelle Verbesserungen, sondern über neuartige Wirkprinzipien zu positionieren und das Portfolio jenseits etablierter Therapieklassen zu verbreitern.

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